Dieser Inhalt benötigt den Adobe Flash Player. Diesen können Sie unter http://www.adobe.com/go/getflashplayer kostenlos herunterladen.
descriptionToilettenschild
Geht Harn unkontrolliert ab, kann das viele Ursachen haben – Muskelschwäche, eine Hormondisharmonie, Prostataprobleme und vieles mehr.
descriptionUrinprobe
Mit Urinprobe, Ultraschall, urodynamischen Untersuchungen und einer Spiegelung lässt sich feststellen, was die Ursache für die Inkontinenz ist.
descriptionTabletten
Inkontinenz lässt sich heilen oder lindern. Neben Medikamenten, Operation und künstlichem Schließmuskel sind Injektionen mit Zellen ein neuer Behandlungsansatz.
descriptionGymnastikball
Mit gezieltem Training lässt sich Inkontinenz oft erheblich bessern. Ist das zu wenig effektiv, sorgen unauffällige Hilfsmittel für eine fast normale Lebensqualität.
descriptionAbflug-Schild am Flughafen
Hobbies nachgehen, Veranstaltungen besuchen und nicht zuletzt den Sex genießen kann auch bei Inkontinenz möglich sein – wenn man einiges beachtet.
  • Schriftgröße normal
  • Schriftgröße mittel
  • Schriftgröße maximal

Inkontinenz – ein dringendes Problem

Harninkontinenz bringt für die Betroffenen hygienische und soziale Probleme mit sich. Dabei ist der unfreiwillige Harnabgang selten eine Krankheit, sondern vielmehr Symptom einer Funktionsstörung des Harntrakts.



Im Überblick



In Deutschland leiden mehrere Millionen Menschen an einer Blasenschwäche. Die Harninkontinenz gehört damit zu den häufigsten Erkrankungen der modernen Gesellschaft. In der öffentlichen Diskussion ist das Thema dennoch kaum präsent, denn noch immer haftet der Blasenschwäche ein schwer zu durchbrechendes Tabu an – wer spricht schon gerne öffentlich über die Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder gibt zu, dass hin und wieder ein „Unfall“ passiert?

„Das Risiko, an einer Harninkontinenz zu erkranken, nimmt mit steigenden Alter deutlich zu“, erklärt Gövercin, Arzt an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. So sind über 50 Prozent aller älteren Menschen, die in Altenpflegeeinrichtungen leben, von Kontinenzproblemen betroffen.

Dabei stellt die Harninkontinenz keine Krankheit an sich dar, sondern ist ein Symptom, das unterschiedliche Ursachen haben kann. Auslöser der Harninkontinenz können verschiedene Erkrankungen und körperliche Gebrechen sein. Je nach Ursache des Urinverlusts wird zwischen mehreren Formen der Harninkontinenz differenziert – Frauen und Männer sind dabei in unterschiedlichem Maße von den einzelnen Formen betroffen. Eine Sonderform ist auch das Einnässen von Kindern.
↑ nach oben

Die Harnblase: Speicher des Urins

Um das Problem der Inkontinenz zu begreifen, sind einige Informationen zum menschlichen Harntrakt sicherlich hilfreich. Die Harnblase hat genau genommen zwei Funktionen: Sie soll einerseits den Urin speichern, der von den Nieren produziert wird, um ihn andererseits bei ausreichender Füllung zu entleeren. Sie können sich die Blase daher als ein aus Muskeln bestehendes Behältnis für den Harn vorstellen.

Die Muskulatur der Harnblase besteht aus dem dreischichtig aufgebauten Harnblasenmuskel, auch Detrusor genannt. Dieser Muskel umschließt den Hohlraum, in dem der Urin gespeichert wird. Bei gesunden Erwachsenen liegt das Fassungsvermögen durchschnittlich zwischen 400 und 600 Millilitern.

Für die Kontrolle des Urinflusses sind zwei andere Muskeln zuständig. Diese Schließmuskeln sitzen am Ausgang der Harnblase beziehungsweise darunter. Der innere Schließmuskel lässt sich nicht willentlich steuern, er wird vom autonomen Nervensystem reguliert. Der äußere Schließmuskel kann dagegen bewusst kontrolliert werden, er ist Teil der Beckenbodenmuskulatur.

Pro Tag werden in den Nieren rund zwei Liter Urin produziert, der über die Harnleiter in die Harnblase fließt. Die Blase selbst liegt auf dem Beckenboden auf – diese Muskelplatte verschließt das Becken nach unten und hat eine wichtige Stützfunktion für die inneren Organe. Eine schwache Beckenbodenmuskulatur kann auch ursächlich an einer Harninkontinenz beteiligt sein.
↑ nach oben

Wie funktioniert das Wasserlassen?

Für den Vorgang der Harnentleerung haben die Mediziner einen Fachausdruck: Sie bezeichnen das Wasserlassen als Miktion. Im Durchschnitt erfolgt die Miktion bei einem normalen Fassungsvermögen der Blase etwa drei- bis viermal innerhalb von 24 Stunden. Im leeren Zustand hat die Harnblase in etwa die Form einer Schale, ist sie gefüllt, dehnt sie sich zur Kugel aus. Die Füllung der Blase läuft unbewusst ab. Das ist notwendig, weil die Ausscheidung von giftigen Abbauprodukten mit dem Urin lebenswichtig ist und ohne Unterbrechung vom Körper durchgeführt werden muss.


Die Füllung der Blase

Wenn die Harnblase leer ist, liegt sie in sich zusammengefallen und breitflächig auf dem Beckenboden und hat etwa die Form einer Schüssel. Mit zunehmender Füllung wird sie mehr und mehr ballonförmig.

Der Harnblasenmuskel (Detrusor) passt sich normalerweise den veränderten Druckverhältnissen an und dehnt sich entsprechend des Füllstandes aus – dazu entspannen sich seine Muskelschichten. Die Füllungsphase der Harnblase wird über den Sympathikus gesteuert.

Der Sympathikus sorgt dafür, dass der innere Harnblasenschließmuskel angespannt bleibt – dazu werden die sogenannten alpha-adrenergen Chemorezeptoren aktiviert. Gleichzeitig bleibt der Harnblasenmuskel (Detrusor) dank der beta-adrenergen Chemorezeptoren entspannt.


Die Phase der Entleerung

Aber irgendwann ist es schließlich doch einmal so weit: Die Blase ist so stark gefüllt, dass die Rezeptoren in der Harnblasenwand dies dem Gehirn melden. Das Gefühl des Harndrangs wird nun immer stärker. Der Vorgang des Entleerens der Blase wird auch als Miktion bezeichnet. Normalerweise ist er schmerzlos und kontrollierbar. Die Häufigkeit der Harnentleerung ist individuell verschieden und hängt von etlichen Umständen ab: Trinkmenge, Lebensalter, Schwitzen, Erkrankungen und hormonelle Besonderheiten können die Zahl der Toilettenbesuche beeinflussen. Normal für einen Erwachsenen sind etwa vier bis fünf Miktionen innerhalb von 24 Stunden, insgesamt werden durchschnittlich 1,5 Liter Urin pro Tag ausgeschieden.

An der Steuerung der Blasenfunktion sind nicht nur die Harnblasenmuskeln beteiligt, sondern auch das Gehirn spielt dabei eine wichtige Rolle: Selbst wenn wir gerade nicht daran denken, den Urin zurückzuhalten, laufen Impulse über das autonome Nervensystem und unterdrücken die Miktion. Für eine gute Koordination ist hier eine feine Abstimmung zwischen dem unwillkürlichen und dem willkürlichem Nervensystem erforderlich.

Jenseits des Kleinkindalters (ab Zirka zwei bis drei Jahren) wird uns bewusst, wenn die Harnblase gefüllt ist und wir Wasser lassen müssen. Das Gehirn kann dann hemmende Signale zur Harnblase senden und wir können eine passende Gelegenheit für den Toilettengang abwarten. Zudem kann der äußere Schließmuskel als Teil der Beckenbodenmuskulatur willentlich angespannt werden, um das Wasserlassen zu verhindern.

Irgendwann aber ist die Fähigkeit zur Dehnung des Harnblasenmuskels überschritten und es kommt zu einem starken Druckanstieg in der Blase. Über die Rezeptoren in der Blasenwand wird der Miktionsreflex ausgelöst. Harndrang entsteht, wenn die Harnblase mit circa 200 bis 300 Millilitern Urin gefüllt ist. Über einen Reflex, der über das Rückenmark läuft, bekommt der Detrusor den Befehl, sich zusammenzuziehen. Dafür ist der sogenannte Parasympathikus oder „Ruhenerv“ zuständig. Gleichzeitig öffnet sich der innere Harnblasenschließmuskel im Harnblasenboden und eine Harnentleerung wird ermöglicht. Bei der Miktion nimmt die Blase Kugelform an. Durch den Detrusor wird von allen Seiten gleichmäßig Druck auf den Inhalt ausgeübt und der Urin wird durch die Harnröhre hinausgepresst. Durch Anspannen der Bauchmuskulatur wird zusätzlich Druck auf die Blase ausgeübt und die Entleerung erfolgt mit größerer Kraft als durch die Kontraktion der Blasenmuskulatur allein. Normalerweise entleert sich die Blase nahezu vollständig bei einer Miktion.
↑ nach oben

Inkontinenz: Wer ist betroffen?

Frauen sind häufiger von Harninkontinenz betroffen als Männer. So kann Inkontinenz eine Folge von Schwangerschaft und Geburt sein. Auch nach der hormonellen Umstellung in den Wechseljahren haben Frauen mitunter Schwierigkeiten, den Urin richtig zurückzuhalten. Bei Männern ist eine Inkontinenz häufig mit Veränderungen an der Prostata verbunden. Obwohl die Inkontinenz in den meisten Fällen im Alter auftritt, können auch Kinder betroffen sein.
↑ nach oben

Harnblasenschwäche bei Frauen

Frauen sind insgesamt häufiger von Problemen mit Harninkontinenz betroffen als Männer. Bei vielen Frauen kommt es nach der Geburt eines Kindes oder auch schon während der Schwangerschaft zu Harninkontinenz. So verändert sich im Körper von werdenden Müttern die Lage der Organe, die Aktivität der Niere erhöht sich und hormonelle Umstellungen beeinflussen die Harnblasenmuskulatur. Daher kommt es nicht selten vor, dass Frauen während der Schwangerschaft eine Harninkontinenz entwickeln – meist eine sogenannte "Belastungsinkontinenz".  

Auch nach einer Geburt leiden viele Frauen an Blasenschwäche – der Hauptgrund dafür ist die geschwächte Beckenbodenmuskulatur, die durch die Geburt in Mitleidenschaft gezogen wurde. Um diese Probleme zu vermeiden, empfiehlt es sich für Schwangere, bereits vor der Geburt einen Kurs zum Beckenbodentraining zu besuchen.

Auch während der Wechseljahre kommt es bei vielen Frauen zu Symptomen von Harninkontinenz: Grund hierfür ist häufig ein Mangel an dem Hormon Östrogen. Als Folge davon nimmt unter anderem die Durchblutung ab, das Gewebe von Harnblase und Harnleiter verliert an Spannkraft – eine Belastungsinkontinenz entsteht. Eine angeborene Bindegewebsschwäche, von der Frauen häufiger betroffen sind, kann ebenfalls zu einer Belastungsinkontinenz führen.

Viele Frauen berichten auch von einer Reizblase – mit diesem umgangssprachlichen Ausdruck wird die sogenannte „Dranginkontinenz" bezeichnet. Auslöser dafür können neben psychosomatischen Gründen auch Harnwegsinfekte oder Harnblasensteine sein.
↑ nach oben

Blasenschwäche bei Männern

Eine Besonderheit des männlichen Körpers ist die Prostata, die auch Vorsteherdrüse genannt wird. Sie produziert einen Teil des Spermas und liegt unterhalb der Harnblase. „Die Harnröhre führt bei Männern mitten durch die Prostata. Deshalb haben Veränderungen an der Prostata häufig unmittelbare Auswirkungen auf die Fähigkeit zum Wasserlassen“, erläutert Mehmet Gövercin, Arzt an der Charité - Universitätsmedizin Berlin.

Vor allem bei Männern über 50 sind Erkrankungen der Prostata weit verbreitet. Am häufigsten tritt eine gutartige Vergrößerung auf, die sogenannte Benigne Prostatahyperplasie. Diese Erkrankung wird manchmal auch Prostataadenom genannt. Dabei vermehren sich die Zellen der Prostata, ohne dass eine Krebserkrankung vorliegt. Die angeschwollene Drüse stört häufig den Harnabfluss und kann zu einer sogenannten "Harninkontinenz bei chronischer Harnretention" führen. In schweren Fällen wird eine Operation nötig. Auch Krebserkrankungen der Prostata können eine Operation an der Vorsteherdrüse nötig machen.

„Direkt nach einem solchen Eingriff tritt bei fast allen Patienten eine Harninkontinenz auf“, erklärt Gövercin. Meist dauert es einige Wochen oder Monate, bis wieder Kontinenz besteht. Allerdings gelingt dies auch bei Anwendung moderner Operationsverfahren nicht in allen Fällen, so dass es bei einigen Männern zu bleibender Harninkontinenz kommt. Die Ursache dafür können beispielsweise Nervenverletzungen oder eine Verletzung des inneren Blasenschließmuskels sein – diese Schädigungen führen meist zu einer sogenannten „Belastungsinkontinenz“. Operationen an der Prostata können auch zu einer Überaktivität der Blase und schmerzhaften Blasenkrämpfen führen. Diese Symptome werden meist einer „Dranginkontinenz“ zugeordnet. „Es wäre jedoch falsch, die Harninkontinenz bei Männern nur in Verbindung mit der Prostata zu sehen. Andere Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Multiple Sklerose, Morbus Parkinson oder ein Schlaganfall können ebenfalls Auslöser sein“, erläutert Gövercin. „In jedem Fall ist eine genaue Untersuchung durch den Urologen nötig“.
↑ nach oben

Blasenschwäche bei Senioren

Nicht jeder wird im Alter harninkontinent. Aber mit hoher Wahrscheinlichkeit entwickeln ältere Menschen, die unter vielen Erkrankungen gleichzeitig leiden (multimorbide Personen) eine Harninkontinenz. Dies ist vor allem bei sogenannten Hirnleistungsstörungen der Fall: Bei Personen mit einer schweren Demenz liegt die Wahrscheinlichkeit, eine Blasenschwäche zu entwickeln bei 70 bis 80 Prozent.

Es gibt verschiedene Formen der Harninkontinenz und verschiedene Erkrankungen, die dafür die Ursache sein können. Bei älteren Menschen treten häufig Mischformen der Harninkontinenz auf, da die Betroffenen oft verschiedene Grunderkrankungen haben. Auch eine einzige Krankheit kann verschiedene Formen der Harninkontinenz verursachen.

Viele ältere Menschen berichten von einem verstärkten Harndrang während der Nacht, der sogenannten Nykturie. Das bedeutet, sie werden nachts durch Harndrang geweckt und müssen daraufhin die Blase entleeren. Der wiederholte nächtliche Gang zur Toilette wird von vielen als störend empfunden. Die Gründe sind vielfältig. Am häufigsten sind hormonelle Ursachen, Herzerkrankungen, große abendliche Trinkmenge oder ein Diabetes mellitus Auslöser einer Nykturie. Zur Abklärung der Ursache sollte in jedem Fall ein Arzt hinzugezogen werden.
↑ nach oben

Blasenschwäche bei Übergewichtigen und körperlich Inaktiven

Auch die Beckenbodenmuskulatur muss wie alle anderen Muskeln immer trainiert werden, um funktionsfähig zu bleiben. Bei übergewichtigen Patienten nimmt der Druck im Bauchraum zu und wirkt – der Schwerkraft folgend – vor allem auf den Beckenboden – innere Organe senken sich ab und es entsteht eine Belastungsinkontinenz. Ist der Betroffene zudem noch körperlich inaktiv oder sogar bettlägerig, verstärkt dies das Problem.
↑ nach oben

Einnässen bei Kindern

Bis zu einem gewissen Alter ist das Einnässen bei Kindern völlig normal. Das hängt mit dem Reifungsprozess zusammen, den jedes Kind durchlaufen muss. Die Kontrolle über Blase und Darm erlangen Kinder erst in mehreren Schritten, die Zeit benötigen. Die meisten Kinder werden zwischen dem dritten und dem fünften Lebensjahr trocken. Dieser Prozess kann auch durch gezieltes Sauberkeitstraining nicht beschleunigt werden. Stattdessen benötigt der kindliche Körper Zeit, um die entsprechenden neuronalen Verknüpfungen auszubilden.

Nächtliches Einnässen (Enuresis nocturna)

Wenn das nächtliche Einnässen bei Kindern auch nach dem fünften Lebensjahr nicht aufhört oder wieder auftritt, nachdem das Kind schon trocken war, dann sprechen Mediziner von einer sogenannten Enuresis oder wenn sie nur nachts auftritt von einer Enuresis nocturna. In diesem Fall muss abgeklärt werden, ob das Bettnässen mit einer krankhaften Entwicklung zusammenhängt.

Als Ursachen kommen mehrere Möglichkeiten in Betracht: So ist bei einigen Kindern die Blasenkapazität einfach noch zu gering, um den gesamten Urin zu speichern, der während der Nacht produziert wird. Hier kann manchmal schon eine Änderung der Trinkgewohnheiten Abhilfe schaffen: Wird das Kind angehalten, kurz vor dem Zubettgehen nicht mehr so viel zu trinken und seinen Flüssigkeitsbedarf stattdessen tagsüber zu stillen, bessert sich das Problem häufig schnell.

Ein weiterer Auslöser für das Bettnässen kann eine Störung im Hormonhaushalt sein – einige Kinder produzieren zu wenig von einem bestimmten Hormon, dem sogenannten ADH oder antidiuretischen Hormon. Dieser Botenstoff drosselt nachts die Urinproduktion. Auch psychische Faktoren können nächtliches Einnässen verursachen – daher sollte bei dem Verdacht auf Enuresis unbedingt ein qualifizierter Kinderarzt hinzugezogen werden.

Einige Kinder nässen nicht nur nachts ein, sondern leiden auch während des Tages an Symptomen einer Harninkontinenz. Sie äußern sich beispielsweise in Form eines anhaltend starken Harndrangs oder einem Urinverlust. Schmerzen beim Wasserlassen deuten auf eine schwerwiegendere Erkrankung hin, die unbedingt ärztlich untersucht werden sollte. Oft ist die kindliche Harninkontinenz nur schwer vom Bettnässen zu unterscheiden, da sich Kinder häufig scheuen, über ihre Probleme zu sprechen und versuchen, ihre Harninkontinenz tagsüber zu kompensieren.

Als Ursachen für das Einnässen kommen mehrere Auslöser in Betracht. So entwickelt sich die effektive Harnblasenkontrolle bei einigen Kindern einfach später als bei anderen. In manchen Fällen kann aber auch eine Erkrankung hinter der Inkontinenz stecken – so leiden viele betroffene Kinder unter chronischen Harnwegsinfekten. Auch Erkrankungen des Nervensystems können zu einer Harninkontinenz führen. Angeborene Fehlbildungen der Niere oder der Harnleiter sind ebenfalls eine mögliche Ursache.

Vor allem bei jungen Mädchen tritt eine Sonderform der kindlichen Harninkontinenz auf – die sogenannte Giggle-Inkontinenz: Dabei führt ein Lachanfall zum Kontrollverlust über die Blasenmuskulatur und der komplette Urin geht in einem Strahl ab. Meist verschwindet die Giggle-Inkontinenz während der Pubertät.

Auch ein zu rigoroses Toilettentraining kann die Entwicklung einer Inkontinenz verursachen. Da junge Kinder physiologisch noch nicht in der Lage sind, eine vollständige Blasenkontrolle zu erlangen, besteht bei einer zu früh begonnenen Sauberkeitserziehung die Gefahr, dass ein falsches Verhalten antrainiert wird. In jedem Fall sollte beim Verdacht auf Harninkontinenz ein Kinderarzt hinzugezogen werden, um die Ursache abzuklären.
↑ nach oben

Ursachen und Formen

Die Ursachen für eine Harninkontinenz sind sehr vielfältig: Sie können unter anderem hormoneller, muskulärer oder psychischer Art sein. Auch Infektionen, Tumore und Verletzungen können eine Blasenschwäche auslösen. Blasenschwäche kann zudem eine Folge von Schwangerschaft und Geburt sein. Das ist ein Grund, warum Frauen von Harninkontinenz häufiger betroffen sind, als Männer. Das Risiko, an einer Inkontinenz zu erkranken, steigt darüber hinaus mit dem Alter. Generell ist es bei der Blasenschwäche sehr wichtig, die genaue Ursache zu erkennen, damit die Therapie erfolgreich ist.
↑ nach oben

Die Belastungsinkontinenz

In medizinischen Texten wird die Belastungsinkontinenz häufig auch als „Stressinkontinenz“ bezeichnet – damit ist allerdings nicht der umgangssprachliche Stress gemeint, unter dem man beispielsweise bei zu viel Arbeit leidet. Stattdessen ist „Stress“ in diesem Fall lediglich ein anderes Wort für Belastung, das aus dem englischen Sprachgebrauch (engl.: to stress – beanspruchen, belasten) übernommen wurde.

Eine Belastungsinkontinenz macht sich bemerkbar, wenn sich der Druck innerhalb des Bauchraumes plötzlich erhöht – beispielsweise durch Lachen, Husten, Pressen oder Niesen. Dann kann unwillkürlich Harn abgehen. Die Urinmenge ist dabei meist gering und es tritt kein Harndranggefühl auf.

Eine Störung des Schließmuskels, der um die Harnröhre angeordnet ist, ist verantwortlich für diese Form der Inkontinenz. Oft sind auch das Bindegewebe und die unterstützende Beckenbodenmuskulatur geschwächt. Betroffen von der Belastungsinkontinenz sind vor allem Frauen, etwa nach Schwangerschaft und Geburt: Beckenboden- und Bauchmuskeln erschlaffen dabei häufig. Auch die Bänder im Becken können nach einer Geburt so überdehnt sein, dass sich die Gebärmutter absenkt und damit die Funktion des Beckenbodens und des Halteapparates gestört wird. Außerdem kann die hormonelle Umstellung während der Wechseljahre die Beckenbodenmuskulatur schwächen. Bei Männern ist häufig eine Operation an der Prostata der Auslöser. Insgesamt sind aber wesentlich mehr Frauen von dieser Form der Blasenschwäche betroffen.

Bei der Belastungsinkontinenz werden drei Schweregrade unterschieden:

Grad 1:
Harn geht nur bei Husten, Lachen oder Niesen ab

Grad 2: Harnverlust schon beim Gehen oder leichter körperlicher Tätigkeit

Grad 3: Harn geht dauerhaft auch im Liegen ab.
↑ nach oben

Die Dranginkontinenz

Bei der Belastungsinkontinenz ist der Harndrang normalerweise nicht erhöht. Ganz anders ist dies bei der sogenannten Dranginkontinenz: Hier leiden Betroffene an einem starken und plötzlich einsetzenden Harndrang. Wer es dann nicht sofort auf die Toilette schafft, verliert häufig unfreiwillig Urin. Oft genügt bereits ein Glas Wasser oder eine Tasse Kaffee, um den Harndrang auszulösen. Andere auslösende Faktoren können sein: Sehen oder Hören von fließendem Wasser, Kontakt mit Wasser – beispielsweise beim Geschirrspülen, Waschen oder Duschen.

Ursache der Dranginkontinenz, die von Medizinern auch Urge-Inkontinenz genannt wird, sind Störungen in der Signalübertragung zwischen Harnblase und Gehirn. Je nach Art der Störung wird zwischen zwei Formen unterschieden: die der überaktiven Blase, auch motorische Dranginkontinenz genannt, und die der überempfindlichen Blase, auch sensorische Dranginkontinenz genannt.

Motorische Dranginkontinenz

Hierbei liegt eine Übererregbarkeit der Blasenmuskulatur vor. Dabei zieht sich der Detrusor plötzlich unkontrollierbar zusammen und es kommt zum Urinabgang. Die Ursachen dieser Harninkontinenzstörung sind oft psychische Belastungszustände oder auch altersbedingte Rückbildungsprozesse der Harnblasenmuskulatur. Aber auch die andauernde Detrusorüberdehnung bei einem großen Prostataadenom kann dafür verantwortlich sein.

Sensorische Dranginkontinenz

Von einer sensorischen Dranginkontinenz wird gesprochen, wenn die Rezeptoren in der Blasenwand, die den Füllstand der Blase an das Gehirn signalisieren, überempfindlich auf Reize reagieren. „Dadurch kann es schnell passieren, dass sie dem Gehirn irrtümlich eine volle Blase melden, auch wenn der tatsächliche Füllstand nur gering ist“, erklärt Gövercin. Die Blase zieht sich zusammen, ohne dass die Betroffenen etwas dagegen tun können.

Die Ursache für eine sensorische Dranginkontinenz ist häufig eine Harnblasenentzündung und die damit einhergehenden Schleimhautreizung in der Blase. In selteneren Fällen sind Tumore oder bei Männern eine vergrößerte Prostata verantwortlich. Auch Harnblasensteine oder eine Strahlenbehandlung der Unterbauchorgane kommen als Auslöser in Betracht. Wenig bekannt ist, dass diese Blasenüberempfindlichkeit auch bei sexuellem Missbrauch und nach Vergewaltigung auftreten kann.
↑ nach oben

Die Mischharninkontinenz

Bei vielen Patienten treten Symptome der Dranginkontinenz und der Belastungsinkontinenz gleichzeitig auf – in diesem Fall liegt eine Mischharninkontinenz vor. Betroffene verlieren hier bei Belastungen wie Niesen oder Husten unwillkürlich Harn und leiden gleichzeitig an einem starken, kaum unterdrückbaren Harndrang. Von dieser Form der Harninkontinenz sind vor allem Frauen betroffen – rund ein Drittel aller Patientinnen mit Blasenschwäche leidet an einer Mischharninkontinenz.
↑ nach oben

Blasenschwäche bei chronischer Harnretention (Überlaufinkontinenz)

Hier können Betroffene trotz voller Harnblase und starken Harndrangs ihre Blase nicht entleeren. Stattdessen tröpfelt ständig Urin. Auslöser ist häufig ein Hindernis, das den Abfluss des Urins blockiert – beispielsweise ein großes Prostataadenom, Tumore, hochgradige Harnröhrenverengungen oder große Harnblasensteine. Die Blase ist deshalb praktisch immer gefüllt und der Harnblasenmuskel entsprechend gedehnt. Aufgrund der anhaltenden Dehnung ermüdet der Blasenmuskel schließlich und der Urin tropft nun dauernd aus der Harnröhre. Durch den Restharn in der Blase drohen Infektionen und durch den möglichen Rückstau kann es zu Nierenschäden kommen.
↑ nach oben

Blasenschwäche bei neurogener Detrusorhyperaktivität (Reflexinkontinenz)

Sie zählt zu den selteneren Formen der Harninkontinenz. Ursache der Harninkontinenz bei neurogener Detrusorhyperaktivität ist eine neurologische Erkrankung, also Probleme mit dem Nervensystem. Dabei fehlt dem Blasenmuskel die Steuerung durch das zentrale Nervensystem. Das heißt, wer von einer Harninkontinenz bei neurogener Detrusorhyperaktivität betroffen ist, spürt keinen Harndrang – die Entleerung kann nicht mehr willentlich gesteuert werden, sondern wird vom Körper wie ein Reflex ausgelöst.

Mediziner unterscheiden bei der Harninkontinenz bei neurogener Detrusorhyperaktivität zwischen Formen, die durch eine Rückenmarkschädigung ausgelöst werden – beispielsweise bei einer Querschnittslähmung – und Formen, die von Erkrankungen des Gehirns ausgelöst werden. Dazu zählen unter anderem Morbus Alzheimer, Morbus Parkinson oder Schlaganfälle.

Besonders problematisch bei der Harninkontinenz bei neurogener Detrusorhyperaktivität ist die mögliche Schädigung der Nieren. Weil die Harnblase häufig nicht vollständig entleert wird, kann sich der Urin bis in die Harnleiter und die Nieren stauen. Deshalb muss bei der Therapie für eine ausreichende Entleerung der Blase gesorgt werden – häufig per Katheter. Patienten können unter guter Anleitung die selbständige Entleerung der Blase mithilfe eines Einmalkatheters erlernen, wenn sie Kontrolle über ihre Arme haben und geistig dazu in der Lage sind. In Abständen von etwa drei bis vier Stunden legen die Patienten sich dann selbst einen Katheter und entfernen ihn nach dem Wasserlassen wieder. Sie sind somit diesbezüglich nicht mehr auf Pflegepersonen angewiesen. Dieses Vorgehen ist unter dem Begriff „intermittierende Katheterisierung“ bekannt.
↑ nach oben

Die extraurethrale Harninkontinenz

Mit diesem etwas komplizierten Ausdruck wird eine seltene Form der Harninkontinenz beschrieben, bei der sich der Urin einen Weg außerhalb der Harnröhre sucht: Häufig sind dafür röhrenartige Gänge verantwortlich, sogenannte Fisteln. Insbesondere bei Frauen kommt es dabei zwischen den ableitenden Harnwegen und den Geschlechtsorganen zu einer Art „Kurzschluss“. Weil dabei der Blasenschließmuskel, der für die Steuerung der Entleerung zuständig ist, umgangen wird, fließt dauerhaft Urin ab. Eine normale Entleerung der Blase ist weiterhin möglich, das Abgehen des Urins durch andere Körperöffnungen kann aber nicht willentlich vermieden werden.

Die verursachenden Fisteln bilden sich beispielsweise nach Geburten, Operationen, Strahlentherapie oder Verletzungen im Unterleib. Um die extraurethale Inkontinenz zu heilen, ist eine operative Entfernung der Fisteln notwendig.
↑ nach oben

Grafik: Blase
© Shutterstock
Hohlorgan mit Doppelfunktion: Die Harnblase (im Bild rosa eingefärbt) speichert einerseits den Urin und steuert andererseits auch die regelmäßige Entleerung.
Grafik: Ausscheidungsorgane bei Frau und Mann
© Shutterstock
Anatomischer Unterschied: Bei Mann und Frau ist die Lage der Harnblase verschieden.
Graphik: Aufbau der Harnblase
© vitanet.de
Die Harnblase ist aus verschiedenen Muskelschichten aufgebaut. Deren Zusammenspiel ist wichtig für das problemlose Wasserlassen.
Graphik: Füllung der Blase
© vitanet.de
Die Rezeptoren in der Blasenwand regeln das Zusammenspiel der Muskeln.
Graphik: Verschlossene Harnblase
© vitanet.de
Der innere Schließmuskel kann nicht willentlich angespannt werden – er wird vom autonomen Nervensystem gesteuert.
Grafik: weibliches Becken
© Shutterstock
Größere Beckenöffnung: Die Beckenbodenmuskulatur muss bei der Frau eine größere Fläche überspannen als beim Mann und erschlafft daher leichter: ein Risikofaktor für Inkontinenz.
Mann hebt Karton
© iStockphoto
Stressinkontinenz: Urin entweicht durch plötzlich erhöhten Druck im Bauchraum beim Heben, Springen, Niesen oder Lachen.
Röntgenaufnahme von Blasensteinen
© Wikimedia Commons
Röntgenbild eines Harnblasensteins: Blasensteine können Auslöser für eine sensorische Dranginkontinenz oder gelegentlich auch für eine Harninkontinenz bei chronischer Harnretention sein.
3D Graphik des menschlichen Gehirns
© Shutterstock
Erkrankungen des Gehirns wie Schlaganfälle, Morbus Parkinson oder Morbus Alzheimer sind häufig die Ursache für eine Harninkontinenz bei neurogener Detrusorhyperaktivität.